Gedenktag 2015: „Wer vergisst, hat keine Zukunft“

Frau Tilgner verliest am Mahnmal ein Patientenschicksal

Hanna Tilgner beim Verlesen eines Patientenschicksals

In diesem Jahr hatten wir eine sehr eindrucksvolle Feier. Am Denkmal auf dem Gelände der Karl-Jaspers-Klinik verlas Hanna Tilgner ein Patientenschicksal. Es ging um das Leben und Sterben eines kleinen Kindes während der NS-Zeit, hier in der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Wehnen. Die Geschichte löste große Betroffenheit aus.

Die Gedenkfeier wurde im Festsaal der Karl-Jaspers-Klinik fortgesetzt. Nach der Begrüßung der Gäste durch Günter Gräber und Elke Harms-Kranich, Vorsitzende des Gedenkkreises, wies Elke Harms-Kranich in ihrer Rede auf das ganz persönliche Schicksal der Patienten und ihrer Angehörigen hin. Sie endete mit einem Zitat von William Faulkner: „Das Vergangene ist nie tot – es ist nicht einmal vergangen“. (mehr …)

Gedenktag im September

In diesem Jahr begehen wir den Gedenktag für die Opfer der „Euthanasie“ in der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Wehnen am 26. September 2015 um 14.00 Uhr.
Für die Gedenkfeier wurde uns, wie auch in den vergangenen Jahren, der Festsaal der Karl-Jaspers-Klinik in Wehnen/Bad Zwischenahn zur Verfügung gestellt.

Das Motto für diesen Tag ist

„Wer vergisst, hat keine Zukunft“
(Eintrag aus dem Gästebuch in der Gedenkstätte „Alte Pathologie“).

Herr Bensberg, Landrat Ammerland, und Herr Dr. Wagner, Geschäftsführer Niedersächsischer Gedenkstätten, werden die Grußworte, Herr Dr. Stierl, leitender Arzt Psychiatrie Lüneburg, wird den Festvortag

„Der Tatort als Gedenkort – zur Problematik einer „Euthanasie“-Gedenkstätte in einem Psychiatrischen Krankenhaus am Beispiel Lüneburg“

halten.

Herr Dr. Seeber und Herr Dr. Burkard aus Oldenburg übernehmen die musikalische Begleitung dieses Gedenktages.
Im Anschluss an die Gedenkfeier können Sie sich die neue Ausstellung in der „Alten Pathologie“ ansehen.
Die Einladung und das Programm sind als PDF Datei veröffentlicht. Beides darf gerne in Ihren Betrieben, in Ihrem Bekanntenkreis weiter gereicht werden. Wir freuen uns über viele Gäste!

Lesen Sie bitte auch den Artikel in der Oldenburger Seniorenzeitung „Herbstzeitlese“ in dem sehr anschaulich die Entstehung und weitere Geschichte des Gedenkkreises Wehnen dargestellt wird.

Nach dem Vortrag: Bethel in der NS-Zeit.

Der Vortrag in der Landesbibliothek Oldenburg
Bethel in der NS-Zeit. Die verschwiegene Geschichte,
hat zu einer regen Diskussion geführt.
Betroffenheit breitete sich aus, als die Referentin, die Juristin und Buchautorin Dr. Barbara Degen aus Bonn, von einer bislang unbekannten hohen Sterblichkeit unter den Kleinkindern des Betheler Krankenhauses Sonnenschein berichtete, die mehr als 2000 Opfer gefordert habe.
Sie leitete daraus ab, dass der Widerstand Pastor Bodelschwinghs gegen die NS-Krankenmorde ein Mythos sei. In Wahrheit, so Frau Dr. Degen, habe der Leiter der Betheler Anstalten von Beginn an kooperiert. Er sei von der Notwendigkeit rassenhygienischer Maßnahmen überzeugt gewesen. Seine vermeintliche Hinhaltepolitik unter dem Motto „Loyal, aber elastisch“ könne man in beide Richtungen auslegen, je nachdem, wem seine Loyalität gehörte. (mehr …)

Vortrag: Bethel – die verschwiegene Geschichte

Der Gedenkkreis Wehnen e. V. und der Förderverein internationales Fluchtmuseum e. V. laden zu einem Vortrag von Dr. Barabara Degen

„Bethel in der NS-Zeit. Die verschwiegende Geschichte“

am 30. Juni um 19.30 Uhr, Landesbibliothek, ein.

War Bethel wirklich ein Ort der Sicherheit für die Patienten der Bodelschwinghschen Anstalt während der NS-Zeit? Die Forschung von Dr. Barbara Degen bringt ganz neue Erkenntnisse.

Es war, wie in vielen Psychiatrien, der vorauseilende Gehorsam, der vielen Patienten das Leben kostete, auch in Bethel. Aus „Liebe“ wurde „Liebe zur Volksgemeinschaft“, das bedeutete den Tod für viele kranke, hilflose Menschen. Aus scheinbarer „Barmherzigkeit“ wurde zu Lasten der Kranken ein Sterilisations- und Tötungsgebot. So rechtfertigten auch die kirchlichen Einrichtungen ihre Zusammenarbeit mit dem Regime der Nationalsozialisten.

Das Verhalten der beiden großen Kirchen im damaligen Deutschland muss hinterfragt werden. So sah zum Beispiel der Pfarrer Heinrich Brinkmann dem Sterben in der damaligen Heil- und Pflegeanstalt tatenlos zu. Seine Sorge galt lediglich dem mangelnden Platz für Gräber auf dem benachbarten Friedhof in Ofen.

Neueröffnung der Ausstellung in der „Alten Pathologie“

Die Eröffnung war ein voller Erfolg! Obwohl das Wetter nicht gut war und die Eröffnung mitten in der Woche statt fand, waren viele Besucher da. Die hiesige Presse war reichlich vertreten.

Hier finden Sie die verschiedenen Berichte:
Nordwestzeitung (NWZ),
Oldenburger Online Zeitung (OOZ),
Diabolo, das Oldenburger Stadtmagazin,
Der Oldenburger Huntereport,
dazu auch ein Filmbeitrag von Oeins.

Besonders gefreut haben wir uns über den Besuch von Dr. Schilling, Bürgermeister der Gemeinde Bad Zwischenahn, da sich in dieser Gemeinde die Gedenkstätte befindet. Der BVO, Nachfolger des Landesfürsorgeverbandes und die Oldenburgische Landschaften waren, sicher aus terminlichen Gründen, nicht vertreten, aber zahlreiche Mitarbeiter, auch Patienten der Karl-Jaspers-Klinik, haben die Gelegenheit wahr genommen, sich über die Geschichte der NS-Zeit in ihrer Klinik zu informieren.
Gerne laden wir alle interessierten Menschen und Gruppen, wie z. B. Schulklassen, Studierende, Auszubildende u.a. zu Führungen nach Vereinbarung ein. Die Führungen werden von unserem wissenschaftlichen Beirat, Herrn Dr. Harms und Herrn Gers, begleitet.
Die Gedenkstätte „Alte Pathologie“ ist an jedem 1. Samstag im Monat von 12.00 – 16.00 Uhr geöffnet. Die Öffnungszeiten werden von ehrenamtlichen Mitgliedern des Gedenkkreises betreut.

Der Unterhalt der Gedenkstätte, auch die Pflege der Euthanasie-Erinnerungstätte auf dem Ofener Friedhof, werden durch Spenden finanziert.